Traumjob Geldwäscher: eCrime-Recruiting im vollen Gange

Online-Kriminelle fischen im Windschatten der Finanzkrise verstärkt nach Strohmännern

01/15/2009 | Bochum 

Die Prognosen für den Arbeitsmarkt 2009 sind düster. Viele Menschen bangen im Sog der weltweiten Finanzkrise um ihren Arbeitsplatz, sind von Kurzarbeit betroffen oder haben ihren Job zum Jahresende bereits verloren. Seit Jahresbeginn versuchen Online-Kriminelle diese Verunsicherung auszunutzen und verschicken verstärkt Jobangebote per E-Mail. In allen Fällen handelt es sich um Recruitiung Spam krimineller Organisationen, die lediglich Strohmänner für Finanztransaktionen suchen. Angeboten werden Heimarbeitsplätze als Buchhalter oder Finanzagent. Wer sich auf die Offerte einlässt, wird so als Geldwäscher Teil der eCrime-Community. Den Opfern wird dies in der Regel erst klar, wenn der Staatsanwalt an die Tür klopft.

Die G Data Security Labs verzeichnen seit letzter Woche einen sprunghaften Anstieg von Recruiting-Spam krimineller Organisationen. Einblicke in die Masche der Täter und worauf sich vermeintliche Heimarbeiter einlassen, erläutert G Data Security Experte Ralf Benzmüller.

„In Zeiten der allgegenwärtigen Finanzkrise könnte die Verlockung kaum größer sein: Schnell verdientes Geld bei minimalem Zeitaufwand. Mit derartigen Offerten versucht die Cybermafia derzeit massiv, ahnungslose E-Mail Empfänger als angebliche Finanzagenten zu rekrutieren. Wer sich auf das Lockangebot einlässt, wird ungewollt zum Geldwäscher und somit zum Mittäter einschließlich aller unangenehmen Konsequenzen, wie Schadensersatzforderungen oder Strafverfolgung.“, erläutert Ralf Benzmüller, Leiter G Data Security Labs.


Aktuelle Recruiting-Spam

Straftat inklusive: Traumjob Geldwäscher

Angeworben als "Financial Agent" oder "Transaction Manager" besteht die Tätigkeit der umworbenen E-Mail Empfänger darin, Geldüberweisungen auf Ihrem privaten Konto entgegenzunehmen . Per Bargeld-Transfer-Service, wie z. B. Western Union, weisen die Opfer die Geldbeträge an eine vermeintliche Geschäftsadresse im meist osteuropäischen Ausland an.

Einen bestimmten Anteil von der Überweisungssumme, in der Regel zwischen 3 und 5 Prozent, kann der „Angestellte“ als Provision für seine Dienste gleich einbehalten.

Tückisch: Die eingehenden Überweisungen stammen aus Betrügereien bei Online Auktionen oder aus illegal durchgeführten Online-Transaktionen erfolgreicher Phishing-Attacken. Die angeworbenen „Agenten“ dienen den Tätern somit lediglich als Geldwäscher. Ist das Geld erst einmal per Bargeldtransfer in Richtung Ausland unterwegs, besteht für die zuvor geprellten Opfer kaum noch eine Chance das Geld zurückzuholen.

Statt weiterer Aufträge, flattern bei den ungewollten Geldwäschern dann Regressansprüche oder Briefe der Staatsanwaltschaft ins Haus.

Die Experten der G Data Security Labs warnen ausdrücklich davor, auf derartige Jobangebote zu reagieren und empfehlen Empfängern der entsprechenden Lock E-Mails, diese ungelesen zu löschen.

Beispiele für Betreffzeilen:
Winziger Zeitaufwand, der Money bringt
Kurzer Zeitaufwand, der Knete bringt
Geringer Zeitaufwand, der Moos bringt
Fipsiger Zeitaufwand, der Penunzen bringt
Unbedeutender Zeitaufwand, der Kroeten bringt

Beispiele für Textinhalte:
Berufstaetigkeit zu bekommen!!!
Ab fuenfhundert die Woche zu verdienen!!!
Viel Geld zu bekommen!!!
Anstellung zu vergeben!!!
Sehr gutes Geld zu bekommen!!!

In den einzelnen Mails befinden sich zur Kontaktaufnahme E-Mail Adressen des kostenlosen Mailproviders gmail.com.


Thorsten Urbanski